PAARDOLOGIE® Blog – Paartherapie & Beziehungswissen aus Oldenburg
17. Juni 2026

Warum die meisten Beziehungen nicht an Streit scheitern. Sondern an etwas Stillerem.

Auszug aus PAARDOLOGIE® – Liebe 2.0 statt Rosenkrieg · Von Stephan Johanning · Paartherapeut · PAARDOLOGIE® Oldenburg · Lesedauer: ca. 7 Minuten

Wenn du Leute fragst woran Beziehungen scheitern, bekommst du meistens dieselben Antworten. Untreue. Streit. Unterschiedliche Lebensziele. Geldprobleme. Das sind die Antworten die Menschen geben, weil sie die sichtbaren Dinge sind. Die lauten Dinge. Aber sie sind es meistens nicht. Das ist so, als würde man sagen ein Haus sei abgebrannt weil die Flammen so heiß waren. Stimmt technisch. Erklärt aber nicht, warum das Feuer überhaupt entstand, wie lange es bereits schwelte bevor es ausbrach, und warum niemand es früh genug bemerkt hat. Die meisten Beziehungen scheitern nicht an Streit. Sie scheitern an dem was vor dem Streit passiert ist. An dem was unter der Oberfläche liegt. An dem worüber nie geredet wurde, weil es sich zu schwierig, zu verletzlich, zu gefährlich angefühlt hat. Streit ist meistens nicht die Krankheit. Streit ist das Symptom.

Was Forschung wirklich zeigt

John Gottman hat in seinen jahrzehntelangen Studien herausgefunden, dass die Paare die sich getrennt haben, nicht unbedingt häufiger gestritten haben als die, die zusammengeblieben sind. Was den Unterschied gemacht hat, waren vier spezifische Kommunikations- und Verhaltensmuster, die er die Vier Apokalyptischen Reiter nannte: Kritik, Verachtung, Abwehr und Mauern. Nicht der Streit selbst ist das Problem. Sondern wie der Streit geführt wird. Ob Verachtung in die Kommunikation einsickert – Augenrollen, Sarkasmus, das stille Signal: Du bist unter mir. Ob man sich reflexartig verteidigt statt wirklich zuzuhören. Ob man sich komplett zurückzieht und für den anderen emotional unerreichbar wird. Als Paartherapeut in Oldenburg sehe ich diese vier Muster fast täglich – und das Gute daran ist: Wer sie einmal erkannt hat, kann anfangen sie zu verändern.

Verachtung – der gefährlichste der vier Reiter

Von den vier Mustern ist Verachtung das gefährlichste. Nicht Wut, nicht Kritik – Verachtung. Sie äußert sich selten in großen Worten. Meistens in Kleinigkeiten. Ein Augenrollen während der Partner spricht. Ein sarkastischer Unterton bei einer eigentlich harmlosen Bemerkung. Ein Seufzer der mehr sagt als jeder Satz. Verachtung signalisiert dem anderen auf einer sehr tiefen Ebene: Ich sehe dich nicht als gleichwertig. Und gegen dieses Gefühl gibt es kaum eine Verteidigung. Es trifft den Selbstwert direkt. Gottman konnte in seinen Studien zeigen dass Verachtung der zuverlässigste Vorbote für eine Trennung war – zuverlässiger als jedes andere Verhalten das er beobachtet hat.

Das stille Scheitern

Aber es gibt noch eine andere Form des Scheiterns, die noch weniger sichtbar ist als destruktiver Streit. Es gibt Beziehungen, in denen kaum gestritten wird. Kein lautes Theater, keine eskalierenden Konflikte. Von außen sieht alles ruhig aus. Und trotzdem stirbt die Beziehung langsam, ganz leise, weil beide längst aufgehört haben, wirklich füreinander zu kämpfen. Das stille Scheitern ist die Kapitulation. Der Moment, in dem man aufgehört hat zu glauben, dass ein Gespräch noch etwas verändern kann. Das stille Scheitern ist gefährlicher als der laute Streit, weil es so unauffällig ist. Niemand schlägt Alarm. Niemand sagt: Hier brennt etwas. Es schwelt einfach, leise, Jahr für Jahr – bis irgendwann einer aufsteht und sagt: Ich kann nicht mehr. Und der andere fällt aus allen Wolken, weil er das Schwelen nie bemerkt hat.

Warum Streit kein schlechtes Zeichen ist

Hier kommt der Teil der die meisten überrascht: Streit ist nicht das Problem. Streit kann sogar ein gutes Zeichen sein. Er bedeutet dass beide noch investiert sind. Dass beide noch kämpfen. Dass beide noch nicht aufgegeben haben. Paare die mir in der Praxis berichten dass sie sich „gar nicht mehr streiten" – die machen mir oft mehr Sorgen als die, die zugeben dass es bei ihnen laut zugeht. Denn die wirklich gefährliche Stille ist nicht die nach einem gelösten Konflikt. Es ist die Stille der Resignation.

Wie man die vier Reiter erkennt – und entschärft

Der erste Schritt ist immer Bewusstheit. Bemerken wenn Kritik statt einer konkreten Bitte formuliert wird. Bemerken wenn ein Augenrollen passiert, bevor man es selbst rechtfertigt. Bemerken wenn man innerlich schon die Verteidigungsrede vorbereitet während der andere noch spricht. Bemerken wenn man am liebsten den Raum verlassen würde, statt beim Thema zu bleiben. Diese Bewusstheit allein verändert noch nichts – aber sie ist die Voraussetzung für alles Weitere. Man kann nichts verändern, was man nicht zuerst sieht.

Als Paartherapeut sehe ich dieses Muster täglich

In meiner Praxis in Oldenburg und online begegnen mir Paare deren größte Sorge nicht der laute Streit ist, sondern die Stille die danach folgt – oder die Stille die den Streit ganz ersetzt hat. Beide Formen lassen sich verändern. Aber nur wenn man bereit ist hinzusehen, statt die Stille für Frieden zu halten.

Dieser Text ist ein Auszug aus meinem Buch PAARDOLOGIE® – Liebe 2.0 statt Rosenkrieg. Wenn dich dieses Kapitel berührt hat – der Rest des Buches geht noch tiefer.

Wenn du merkst dass es Zeit ist hinzuschauen

Das erste Gespräch ist immer kostenlos. Immer unverbindlich. Immer ehrlich. Keine Versprechen die ich nicht halten kann. Aber eine echte Möglichkeit dass sich etwas verändert. Weil ich glaube: Der Moment in dem man aufhört zu warten und anfängt zu handeln – das ist der wichtigste Moment in jeder Beziehung. Er muss nicht perfekt sein. Er muss nur passieren.

Stephan Johanning ist Paartherapeut, Diplom-Sophrologe, Autor und Comedian. Gründer von PAARDOLOGIE® – Paartherapie in Oldenburg und online weltweit.
📅 Kostenloses Erstgespräch buchen: paardologie.de
📖 Das vollständige Buch „PAARDOLOGIE® – Liebe 2.0 statt Rosenkrieg" jetzt bei tredition Hier bestellen

Zurück

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Dieses Feld ist ein Pflichtfeld

Bei der Übermittlung Ihrer Nachricht ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Sicherheitsüberprüfung

Ungültiger Captcha-Code. Versuchen Sie es erneut.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.