PAARDOLOGIE® Blog – Paartherapie & Beziehungswissen aus Oldenburg

Selbsterkenntnis ist der Beginn deiner Macht.

Auszug aus MACHT – Hör auf zu funktionieren · Von Stephan Johanning · PAARDOLOGIE® Oldenburg · Lesedauer: ca. 7 Minuten

Es gibt zwei Arten, wie Menschen durch ihr Leben gehen. Die erste Art ist die häufigste: Sie reagieren. Sie passen sich an. Sie bewältigen. Sie funktionieren. Sie versuchen, irgendwie durchzukommen, und hoffen, dass irgendwann mehr Ruhe, mehr Zeit, mehr Sicherheit kommt – und dann wird es besser. Die zweite Art ist seltener: Diese Menschen gestalten. Nicht weil sie keine Probleme hätten. Nicht weil sie immer stark sind. Sondern weil sie verstanden haben, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem, was ihnen passiert – und dem, was sie daraus machen. Dieser Unterschied beginnt mit einem Wort, das viele hören aber wenige wirklich leben: Selbsterkenntnis.

Was Selbsterkenntnis wirklich bedeutet

Selbsterkenntnis ist nicht, dass du ein paar Persönlichkeitstests machst und dann sagst: Ich bin halt so. Selbsterkenntnis ist auch nicht, dass du dich tagelang analysierst und dadurch noch mehr im Kopf bist. Selbsterkenntnis ist etwas sehr Praktisches: Du erkennst, was in dir automatisch abläuft – und übernimmst wieder die Führung. Und wenn du das tust, beginnt etwas das man nicht kaufen kann. Nicht Macht über andere. Sondern Macht über dich selbst.

Der Moment in dem es kippt

Fast jeder Mensch kennt einen Moment, in dem sich innerlich etwas verschiebt. Du sitzt irgendwo, du stehst irgendwo, du machst irgendwas – und plötzlich merkst du: So geht es nicht weiter. Das kann leise passieren oder mit einem Knall. Aber es ist immer ein Moment der Wahrheit. Bei mir war es ein Tag, der auf dem Papier völlig normal war. Herbst, ein Park, den ich kannte. Menschen gingen vorbei. Blätter fielen. Alles war wie immer – und doch war nichts wie immer. Ich saß da und merkte: Meine Energie ist woanders. Mein Kopf ist voll. Mein Herz ist leer. Und irgendwo in mir war diese Frage: Was mache ich hier eigentlich? Diese Frage ist unbequem. Sie ist nicht nett. Aber sie ist heilig – weil sie ehrlich ist. Denn sobald du diese Frage zulässt, beginnt dein inneres System, sich neu zu ordnen.

Warum Selbsterkenntnis so unbequem ist – aber so befreiend

Selbsterkenntnis verlangt etwas das viele vermeiden: Verantwortung. Nicht als moralischen Zeigefinger. Als Gestaltungskraft. Solange du glaubst, dass dein innerer Zustand ausschließlich von äußeren Umständen abhängig ist, wirst du im Außen nach Rettung suchen. Du wirst glauben, dass Menschen anders sein müssen, dass der Stress weniger werden muss, dass die Welt dir etwas schuldet. Wenn du deinen inneren Zustand komplett ans Außen bindest, gibst du die Steuerung ab. Du wirst zum Ergebnis. Und nicht zur Ursache. Selbsterkenntnis dreht genau das um. Sie sagt: Ich kann nicht alles kontrollieren, was passiert. Aber ich kann entscheiden, wie ich darauf reagiere. Ich kann entscheiden, welche Bedeutung ich Dingen gebe. Ich kann entscheiden, welche Gedanken ich füttere – und welche nicht.

Du bist nicht deine Gedanken

Viele Menschen glauben, sie seien ihre Gedanken. Wenn ein Gedanke kommt, wird er zur Wahrheit. Wenn ein Gefühl kommt, wird es zur Identität. Ich bin gestresst. Ich bin überfordert. Ich kann das nicht. Ich bin nicht gut genug. Und genau hier liegt ein entscheidender Schritt: Du musst lernen, zwischen dir und deinem inneren Film Abstand zu schaffen. Nicht durch Wegdrücken. Sondern durch Bewusstsein. Du bist nicht der Stress. Du bist nicht die Angst. Du bist nicht die Unsicherheit. Du bist der Mensch, der diese Zustände erlebt – und der lernen kann, sie zu steuern. Das ist nicht Esoterik. Das ist Training. Punkt. Und Training beginnt mit einer simplen aber kraftvollen Frage: Was passiert gerade in mir? Nicht: Was ist falsch an mir? Sondern: Was läuft gerade ab? Allein diese Frage verändert dein Nervensystem. Du gehst aus der Identifikation in die Beobachtung. Und dort entsteht der Raum, in dem Veränderung möglich wird.

Der erste praktische Schritt

Hier kommt eine Übung, die simpel klingt und extrem effektiv ist. Jeden Abend, sieben Tage lang: Schreib drei Situationen auf, in denen du emotional reagiert hast. Was war der Auslöser? Was war dein Gedanke in dem Moment? Was hast du getan? Und dann die wichtigste Frage: Was hätte ich gebraucht, um souveräner zu reagieren? Das ist keine Selbstkritik. Das ist Selbstführung. Und Selbstführung ist der Anfang von allem.

Wenn du merkst dass es Zeit ist hinzuschauen

Das erste Gespräch ist immer kostenlos. Immer unverbindlich. Immer ehrlich. Keine Versprechen die ich nicht halten kann. Aber eine echte Möglichkeit dass sich etwas verändert.

Stephan Johanning ist Paartherapeut, Diplom-Sophrologe, Autor und Comedian. Gründer von PAARDOLOGIE® – Paartherapie in Oldenburg und online weltweit.
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